Corona – Rumeln-Kaldenhausen kämpft!

Verfasst am: 2020-03-27  •  Autor: Ferdi Seidelt, Wochenanzeiger  •  Fotos: Ferdi Seidelt

Corona – Rumeln-Kaldenhausen kämpft!Corona – Rumeln-Kaldenhausen kämpft!Corona – Rumeln-Kaldenhausen kämpft!

Für einen angenehmen Ende-März-Nachmittag ist für Rumeln-Kaldenhausener Verhältnisse ungewöhnlich wenig los! Mehr leere als volle Parkplätze vor den großen Einkaufstempeln, kaum Verkehr auf der Straße. Es verwundert, dass so mancher Imbiss geschlossen hat. Das Corona-Virus, die Anordnungen der Politik aus Bund, Land, Stadt und die damit verbundene „Entschleunigung der Gesellschaft“ haben ganze Arbeit geleistet. Doch wie funktionieren die Branchen jenseits der still gelegten Bereiche Bildung, Gastronomie, Religion, Sport, Schönheit, Tourismus und Vergnügen? Was bedeutet das für die Händler, Handwerker und Dienstleister - die, die eine Gesellschaft erst im Detail funktionieren lassen?
„Was soll ich machen?“, fragt Marion Wiescher und sagt mit lieben Worten anstehende kosmetische Fußpflegen ab. So wie ihr ergeht es allen Betrieben der Kosmetikbranche in Rumeln-Kaldenhausen, für Menschen, die viel auf ihr Aussehen und Wohlbefinden geben, eine neue Erfahrung. „Gemeckert hat eigentlich keiner.“ Für die Kunden „back to the roots“. Nagelschere und Hornhautraspel aus der Besenkammer geholt – Fußbad und dann Attacke! Für die Smile Line der French-Nägel gibt es Schablonen.
Im Laden von Metzgermeister Christian Schulz, Chef der Metzgerei Heinen, ticken die Uhren völlig anders. Völlig weggebrochen sind die Umsätze an Imbiss-Stuben und Gaststätte, ein Buffet- und Catering-Geschäft gibt es nicht mehr. „So oder so – die von uns gewohnte Qualität im Geschäft und auf dem Wochenmarkt bleibt absolut erhalten.“ Fast schon symptomatisch: „Ich hatte unlängst Schwierigkeiten, für das Schnitzel-Braten ausreichend Mehl zu bekommen.“ Auch im Großhandel war das Getreidepulver „über Nacht“ vergriffen. Schulz: „Jammern ist nicht, wir kämpfen.“
Bei Bäckermeister Peter Wiedemann hat es von allen Seiten eingeschlagen. Das Pausen-Geschäft mit der Schule ist passé, keine Torten für Hochzeit und Taufe mehr, keine Kuchenbestellung für eine Beerdigungsfeier, auch die Steh-Cafés in seinen beiden Geschäften sind ihm untersagt worden. Da die Menschen sich in ihre Wohnungen zurückziehen, bietet der Kaldenhausener Kult-Betrieb einen kontaktlosen Lieferservice an. Nach einer telefonischen Bestellung legt Gattin Petra die Ware vor die Haustür, der Kunde deponiert dort das Geld. Maloche pur, 18 Mitarbeiter stehen auf der Lohnliste.
Einen ähnlich Kontakt-freien Ablauf stellt Kfz-Meister Frank Hilger bereit. Augenscheinlich meinten viele, dass auch seine Autopartner-Werkstatt schließen musste. Von gleich auf jetzt blieb für den Kaldenhausener Betrieb die Nachfrage aus. Doch Hilger verfeinerte die Kundenbetreuung: „Wähle 02151-408883, Termin vereinbaren, abends zuvor Schlüssel und Papiere in den Briefkasten, später mit dem Zweitschlüssel Auto vom Hof abholen, Rechnung überweisen, fertig.“ Ähnlich „virenfrei“ wird bei ihm das Fahrzeug durch den TÜV gebracht. Natürlich gibt es noch den Face-to-Face-Kontakt.
Um bei den Betrieben mit unvermeidlichem Kundenkontakt die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen zu gewährleisten, legt Schreinermeister Rainer Lintz momentan Überstunden ein. Etliche Geschäfte orderten bereits Holz-Plexiglas-Konstruktionen, der Tröpfchen-Infektion im Kundengespräch wird so der Kampf angesagt. In allen Geschäften gibt es mittlerweile Bodenmarkierungen, Flatterbänder und andere improvisierte Abstandshalter, dazu freundliche Security-Kräfte - die Rumeln-Kaldenhausener haben's kapiert.
Bleibt zu berichten vom gerade gegründeten Sanitär-, Heizungs- und Klimaunternehmen Jochen Frings und David Giesen. Der erste Monat lief prima an, dann der herbe Rückschlag. Wegen Corona verschoben etliche Kunden den Badumbau und die Altbausanierung in den Sommer. Die Meister bekommen nur noch vereinzelte Aufträge. Wenn das Rohr leckt, die Heizung streikt und der Kanal verdreckt ist. Ein Boom erlebt die Trinkwasserhygiene, hier sind die in Kaldenhausen ansässigen Installateur-Meister Fachleute, nach VDI zertifiziert. „Wir geben alles, um das Angebot im Ort zu bereichern.“

Hintergrund-Information (Amtsblatt Duisburg):
(ua) Alle Geschäfte des Einzelhandels sind zu schließen. Dies gilt nicht für Lebensmittel, Kioske, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, den Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und den Großhandel. Auch Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen.

Zu unseren Bildern (zum Vergrößern bitte anklicken):
1 – Metzgermeister Christian Schulz (Heinen) zeichnet für qualitativ beste Fleisch- und Wursterzeugnisse. Corona hat ihm ergänzende Einnahmen vollständig weggenommen, nur der Regelbetrieb ist ihm geblieben.
2 – Bäckermeister Peter Wiedemann und Mitarbeiterin Kristina Erlbeck legen frisch gebackenes Brot nach. Handwerkliches Können wird auch in Corona-Zeiten sehr geschätzt, der neue Haustür-Dienst nimmt Fahrt auf.
3 – Frank Hilger steht für exzellente Arbeit am Automobil. Mehr als überrascht war der beliebte Kfz-Meister, als „von gleich auf jetzt“ das Tagesgeschäft ausblieb. Corona begegnet er nun mit dem Kontakt-freien Kundenservice.
4 – Die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Jochen Frings (links) und David Giesen, checken einen Ölbrenner. Wegen Corona wissen sie nur bedingt, wie sich der Start ihres Unternehmens entwickeln wird.

Corona – Rumeln-Kaldenhausen kämpft!!

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Corona sei Dank - ein bisschen mehr Liebe!

Verfasst am: 2020-03-19  •  Autor: Ferdi Seidelt  •  Fotos: Archiv

Corona sei Dank - ein bisschen mehr Liebe!

Noch ein Wort – und ich hätte der Frau verbal in den Hintern getreten. Wenn ich den heiligen Zorn bekomme dann richtig! Was war geschehen? Lidl. Trotz Corona-Vorgaben – eine normale Situation an der Kasse. Vorne stockt der Ablauf. 30 Sekunden vielleicht. Die Frau drängt sich vor, ihre Stimme ist schrill. „Was soll das? Macht mal eine weitere Kasse auf!“ Wenig später bei Edeka. In der Kassenzone auf dem Boden alle 150 cm ein schwarz-gelber Streifen. Hier warten! Die Kassiererin redet sich den Mund fusselig: „Bitte Abstand halten. Für Ihre Gesundheit.“ Murren bei den Kunden. Dann bei Aldi. Ein älterer Mann steht direkt hinter einer Frau, die packt und packt, die Tragfähigkeit des Fließbandes wird geprüft. Der Senior niest. Die Tröpfchen sehe ich, aus sicherer Entfernung. Ich habe den Kaffee auf, will nur noch die gewünschten Einkäufe ausliefern. Und dann einmal aufschreiben, was ich denke, fühle, meine.
Nun, viel Dankbarkeit und Respekt ist in den letzten Tagen den „systemrelevanten Berufen“ Heilkunde, Pflege, Sicherheit, Recht, Ordnung und Hilfe entgegengebracht worden. Zu Recht. Das sind Berufe, die nötig sind, um das gesellschaftliche Leben aufrecht zu erhalten. Die können sich nicht wegducken, sie arbeiten face-to-face, viel Einsatz, volles Risiko. „Soziale Kontakte minimieren“ ist hier nicht.
Doch was ist mit der Kassiererin, dem Kassierer bei Edeka, REWE, Lidl und Aldi? Dem Fleischfachverkäufer, der immer-lachenden „Brotfrau“ beim kultigen Bäcker vor Ort oder auf dem Wochenmarkt? Aber auch dem Personal im Einzelhandel, das zentnerweise Konserven in die Regale packt, weil einige meinen, morgen breche der 3. Weltkrieg oder zumindest ein heftiger Versorgungsnotstand aus. Toilettenpapier zu horten ist zwar doof, geht aber nicht kaputt. Doch Mehl hamstern, Eier bunkern? Ich will nicht näher darauf eingehen, dass einerseits Tante Minnchen ihren geliebten Wochenend-Kuchen nicht mehr in die Reihe kriegt und dass andererseits über kurz oder lang das MHD grüßt. Bedenklich, dass die Laden-Leute im Viertelstundentakt genervt „Das tut mir aber leid, dass wir momentan keine Erbsen/Möhren haben“ sagen müssen. Und dabei gequält lächeln.
Ich habe da eine Idee, mehr ein Bedürfnis! Wie wäre es, wenn wir all den Verkäufer/innen und Kassierer/innen einmal ein besonders dickes „Danke“ sagen für die Leistung, sich Tag für Tag der Tröpfchen- und Schmierinfektion (angehustete Ware oder Geld) praktisch ungeschützt auszusetzen. Soziale Kontakte an der Kasse können nicht minimiert werden – ist der Kunde da, ist er da.
Unsere Gedanken sollten aber auch bei all den Einrichtungen und Unternehmen sein, denen aus naheliegenden Gründen der Stecker gezogen wurde: die komplette Freizeit- und Vergnügungsbranche, das gesamte Bildungssystem, aber auch Teilbereiche der Gastronomie und des Handels. Sie alle müssen Notprogramme fahren und versuchen, durch die schwere Zeit zu kommen, nicht selten mit auch hohen Verlusten.
Es beruhigt, dass die erste große Bewährungsprobe von Nachkriegsdeutschland in guten Händen ist. Überzeugende Arbeit leisten auf Bundesebene die Teams um Angela Merkel, auf Landesebene die Experten um Armin Laschet und auf Stadtebene die Profis um Sören Link. Schön wäre es, wenn jetzt auch die Bürger alles richtig machen. An den Kassen unserer Geschäfte kann damit begonnen werden.



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