Runder Tisch – volles Programm noch in 2019!

Verfasst am: 2019-10-27  •  Autor: Ferdi Seidelt  •  Fotos: Stefan Oomes, Ferdi Seidelt, Marten Thöne

Runder Tisch – volles Programm noch in 2019!Runder Tisch – volles Programm noch in 2019!Runder Tisch – volles Programm noch in 2019!

Heimat-Café! Lichterabend! Adventskonzert! Sterne-Projekt! Weihnachtsmarkt! Mehr als nur auf der Erfolgswelle surft momentan der Run­de Tisch Rumeln-Kaldenhausen. Die Ver­ei­ni­gung der 150 (!) Händler, Handwerker, Dienst­leister, Vereine, Gemeinden und Hei­mat­freunde zeigt momentan ihre ganze Viel­falt. Während die Orga-Crews für die Som­mer­par­ty und das Seefest in die wohl­ver­dien­te Winterpause gehen, dreht das Vor­be­rei­tungs­team für den 20. Weih­nachts­markt an vielen Schrauben.
Die Highlights: Da die in Rumeln-Kal­den­hau­sen stark vertretenen Bauvereine Rhein­hau­sen und Friemersheim aktuell jeweils auf „100 Jahre“ zurückblicken, feiern sie ihre Ju­bi­lä­en durch das Sponsoring eines Nos­tal­gischen Kinderkarussells. „Sponsor of the day“ am Freitag, 6. Dezember, für die Live-Show der Gruppe „Pfropfen“ ist Hendrik Johann von REWE Rumeln. Die Schirmherrschaft für den Samstag, 7. Dezember, und den Top-Act „In Between“ hat Arne Thomsens Steinbau übernommen. Am Sonntag, 8. Dezember, lädt die Sparkasse Duisburg zu „Hardy's Jazzband“ - ein kleines Dankeschön für die Geduld in Sachen Umbau Filiale Kaldenhausen. Die Anzahl der Aussteller drinnen und draußen geht ansonsten in Richtung neue Höchstwerte.
Einen weiteren großen Schritt nach vorne wird das Projekt „Weihnachtssterne in Rumeln-Kaldenhausen“ machen. Bis jetzt künden 41 Leuchtpunkte im Ort vom nahen Fest – nach Lage der Dinge wird die Sterne-Staffel bald 50 illuminierende Erbauungen in die Halter hängen können. Alle Achtung: Während andere Orte abbauen, rüstet Rumeln-Kaldenhausen auf!
Gestartet wird die Weihnachtsbeleuchtung traditionell am Donnerstag vor dem 1. Advent, in diesem Jahr also am 28. November. In der unteren Dorfstraße in Rumeln werden 16 Mitglieder ab 15 Uhr für allerlei Kurzweil und für ausreichend Speis und Trank sorgen, die Geschäfte werden länger geöffnet haben. Der mittlerweile 11. Lichterabend gilt unter Insidern als Kult, da „Dorf pur“. Und das sind die 16 Akteure, die sich über Kontakte sehr freuen: Bleifuß (Fahrschule), Copenhagen Coffee Lab & Bakery, Fisch-Spezialitäten (Petra Müller-Mehrholz), DLRG (Martin Flasbarth), Förderverein Freiwillige Feuerwehr (Udo Dötsch), Glüxbox (Lutz Londong), Haarmanufaktur (Lisa Groß), Kranich-Apotheke (Heiner Schüren-Hinkelmann), Kulturspielhaus Rumeln (Tim Pügner), Naturbau (Manfred Blechschmidt), Optik (Oliver Peerebooms), Reisen Klatt (Beate Klatt), Stahlkind (Christian Bruckschen, Christian Dorscheid, Sven Reimann), Thai-Massage, Trinkgut (Marco Kolo) und Volksbank (Jürgen Weyers).
Ebenfalls eine große Tradition wird in Kaldenhausen gepflegt. Am Freitag, 29. November, 19 Uhr, dieses Mal in der Pfarrkirche St. Klara, steigt das mittlerweile 21. Bongartz-Adventskonzert. Unter dem Motto „Joe Wulff's Wonderful World Of Christmas“ wird es Swing und Blues der Extraklasse geben, unterstützt werden die Gentlemen von Angela van Rijthoven. Der Erlös geht wieder an das Malteser Kinderhospiz St. Raphael. Karten (25 €): Raumwerk, Geistfeld-Apotheke, Klatt.
Mächtig erfolgreich zeigt sich auch das Heimat-Café mit Heinz Billen . Die beiden Abende im Kulturspielhaus Rumeln von Tim Pügner waren bis zur letzten Diele ausverkauft – das Thema „Bauern in Rumeln-Kaldenhausen einst und jetzt“ kam und kommt bestens an. In Vorbereitung sind noch zwei Christmas-Specials. Parallel zu weiteren Vorträgen im kommenden Jahr plant und baut das History-Mannschaft des Runden Tisches auf der Wiese vor dem Rathaus eine schmucke Remise, bestückt mit allerlei nostalgischem Ackergerät. Für die einzigartige Open Air-Ausstellung ist das „Bauabschnitt 3“, nach der Wappenwand und dem Mini-Bergbau-Museum.

Zu den Bildern:
1 - Die niederländische Sängerin Angela van Rijthoven wird dem Swing & Blues-Abend in St. Klara am 29. November zusätzlichen Glanz verleihen.
2 - Die Heimatfreunde (vl) Walter Stärk, Heinz Billen und Erhard Schüren-Hinkelmann kümmern sich um die Bauern-Geschichte im Ort.
3 - Die Blödelbarden von „Pfropfen“ sind Rheinhauser Comedy-Urgesteine und seit nunmehr 45 Jahren Kult auf den Bühnen hier wie dort.


Bauern-Historie – vom Selbstbinder und Butter-Hund

Verfasst am: 2019-09-13  •  Autor: Ferdi Seidelt  •  Fotos: Ferdi Seidelt (3), Heimatarchiv (3)

Bauern-Historie – vom Selbstbinder und Butter-HundBauern-Historie – vom Selbstbinder und Butter-Hund

Nach zweieinhalb Stunden Vortrag bat der Maestro ans Pult. Heinz Billen animierte die Gäste, die Themen der nächsten Vorträge selbst zu bestimmen. Keine leichte Sache! Von A wie „Adelsgeschichten aus Rumeln-Kaldenhausen“ bis Z wie „Ziegeleien in Rumeln-Kaldenhausen“ machte der Heimatforscher den Zuhörern die Wahl zur Qual. Dabei hatte Billen noch nicht einmal A, dafür aber schon B wie „Bauern“ gesagt. Von Anfang an!
95 Zuhörer sind ins Kulturspielhaus geeilt, um Wissenswertes über die (einstige) Landwirtschaft in Kaldenhausen und in Rumeln zu hören. Sie erleben den Heimatforscher in Höchstform. Gearbeitet wurde um die Jahrhundertwende montags bis samstags im Sommer zwölf und im Winter neun Stunden täglich. Dafür gab es zwischen 90 (für den ersten Arbeiter) und 10 Reichsmark (für die dritte Magd) – jährlich wohlgemerkt. Im Gegenzug für die karge Entlohnung reichte der Bauer vier Mahlzeiten. Morgens Mehlspeise mit Pfannekuchen, mittags Gemüse und Schweinefleisch, nachmittags Butterbrote und Muckefuck sowie abends Kartoffeln, Milch oder Biersuppe.
Billen weiß natürlich mehr über die Arbeit auf den Höfen in Kaldenhausen und Rumeln. Wo weiland um die zehn Leute nötig waren, reicht heute ein Mitarbeiter. Das „Gesinde“ auf einem 100 Morgen großen Hof (etwa 250.000 qm) bestand aus einem ersten, zweiten und dritten Arbeiter, einem Pferdeknecht, einem Pferdejunge, einem Eggejungen, einem Kuhhirten, einer ersten, zweiten und dritten Magd und gegebenenfalls einem Kindermädchen. War das Gehöft eher klein, kam die zumeist vielköpfige Familie mit einem Knecht und einer Magd aus.
Die Arbeit in den Ställen und auf den Feldern war hart. Das Getreide wurde mit der Sichel oder der Sense geschnitten. Es war eine kleine Sensation, als die ersten Mähmaschinen und Selbstbinder – Josef Heizer importierte 1913 einen ersten aus Amerika – auf den Äckern auftauchten. Erst in den 60er Jahren wurden sie durch moderne Mähdrescher abgelöst – Mähen, Dreschen (die Körner aus den Ähren des Getreides herausbringen) und Strohverarbeitung in einem Arbeitsgang! In den Stallungen wurde das aus gehackten Rüben bestehende Futter durch Stroh-Heu-Häcksel gestreckt. Es wurde gemolken, was die Hände hergaben, erst nach 1945 kamen die ersten Melkmaschinen an die Euter. Die Milchproduktion war ein lohnendes Unterfangen, täglich holte die "Centralmolkerei J. & H. Cölfen" aus Rheinhausen die gefüllten 20-l-Kannen ab. Lange Zeit lief ein Hofhund im Butterrad, sein unermüdlicher Tritt bewegte über einen Mechanismus aus Zahnrädern das Butterfass. Im erst 1981 abgerissenen Krauthäuschen von Otten – vis-a-vis Einmündung Giesenfeldstraße – wurde Rübenkraut gefertigt, was in Rumeln auch die Familien Erkens, Kriens, Daniels und Hellwigen taten.
Größere Bauernhöfe hatten ein eigenes Backhaus, kleinere Anlagen teilten sich eines. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg wurden diese überflüssig, da sich im Ort Bäcker niederließen – die Bäckerei Billen (heute Wiedemann) in Kaldenhausen ist mittlerweile Legende.
Es kann noch viel wiedergegeben werden, was Billen in schlanken 150 Minuten kurzweilig zum Besten gab. Doch irgendwie muss gut sein! Was hilft ist die Gewissheit, dass am Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr, Bauern in Kaldenhausen und Rumeln Teil II, ansteht, der Referent dann konkret auf Höfe eingeht. Wetten, dass dann die Hütte bei Pügners Tim wieder voll sein wird (nähere Infos alsbald an dieser Stelle, auf Facebook oder in den Print-Medien)!

Zu unseren Fotos (zum Vergrößern bitte anklicken):
1 - 95 Heimatfreunde füllten das Rumelner Kulturspielhaus bis auf den letzten Platz. Sie erlebten 150 Minuten kurzweilig vorgetragene Bauern-Geschichte.
2 - Der Selbstbinder machte die schwere Arbeit mit Sichel und Sense überflüssig. Er ist eine Weiterentwicklung der Erfindung des mechanischen Knoters.
3 - Links der moderne Bildwerfer, auf dem Tisch das Manuskript, vor ihm die interessierten Gäste – Rumeln-Kaldenhausen-Chronist Heinz Billen in seinem Element.
4 - Die gebundenen Gaben müssen, um gedroschen werden zu können, zuerst einmal auf den Hänger geladen werden. Dann geht es ab zur Tenne (Dreschboden).
5 - Für das Publikum ist der neue Bild-Direkt-Projektor, eine Zuwendung aus dem Heimatministerium NRW, eine schöne Visualisierung des Gesagten.
6 - Beim Dreschen wird aus dem Gemisch aus Stroh, Spreu und Körnern zuerst das Lang- und Kurzstroh entfernt, danach werden Spreu und Körner getrennt.

Bauern-Historie - vom Selbstbinder und Butter-Hund Bauern-Historie - vom Selbstbinder und Butter-Hund Bauern-Historie - vom Selbstbinder und Butter-Hund Bauern-Historie - vom Selbstbinder und Butter-Hund

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