Die Geschichte des Bergbaus in Rumeln-Kaldenhausen

Text: Ferdi Seidelt – Repros: Ferdi Seidelt

Mit diesem Beitrag skizzieren wir die Jahre, in denen der Bergbau die ländliche Doppelgemeinde Rumeln-Kaldenhausen entscheidend prägte. Zwischen 1937 und 1973 waren bis zu tausend Menschen beim Pütt beschäftigt. Die Personalabteilung zählte im Januar 1957 sogar 986 Personen unter Tage und 58 im Übertagebetrieb. Die zu dieser Zeit vergebenen Benennungen „Bergwerksstraße“ (selbsterklärend), „Glückaufstraße“ (Bergmannsgruß) und „Karl-Matull-Platz“ (ab 1947 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Zeche) erinnern heute noch daran. Den „Markscheiderweg“, der den Vermessungsingenieur im Bergbau würdigt, gibt es erst ab 1991. An diesen Straßen entstanden jede Menge Wohnungen, rund ein Dutzend Geschäfte sicherte die Nahversorgung.

Unsere Bergleute

Die Abteufung eines Schachts in Rumeln wurde 1936 beschlossen. Abteufen, was ist das? Als Abteufen oder Teufen (auch: Niederbringen) bezeichnet man die Herstellung von senkrechten (Bergbausprache: seigeren) Hohlräumen (Schächten, Blindschächten, Lichtlöchern oder Bunkern) zur Erschließung von Lagerstätten. Doch die Niederbringung war nicht der Start für etwas ganz Neues, sondern war eine Order vom Bergheimer Bergwerk Wilhelmine Mevissen aus. Wie das?

Unsere Bergleute

Nachdem der Zeche Wilhelmine Mevissen das unter Rumeln (damals hieß die Doppelgemeinde noch kurz „Rumeln“) gelegene Grubenfeld Fritz zusätzlich zugeteilt worden war, gab es für den Schacht neben der Aufgabe „Bewetterung“ der Grube (Versorgung mit frischer Luft) später die Überlegung, den in Rumeln-Kaldenhausen wohnenden Bergleuten den Weg zur Arbeit zu erleichtern. Motto: Nicht erst nach Bergheim zur Moerser Straße und unter Tage wieder zurück Richtung Rumeln! Später wurde Rumeln auch zur Materialversorgung genutzt.

Unsere Bergleute

Der Rumelner Steiger i. R. Walter Stärk erklärt: Erster Spatenstich für den Wetterschacht am Volkesberg war am 1. Juni 1937. Zwei Jahre später geht die Anlage in Betrieb, der Schacht hat 530 cm Durchmesser und eine Teufe von 500 Metern. Zuerst heißt er Schacht Fritz, später Schacht Rumeln. 1945 sprengt die zurückziehende Wehrmacht wichtige Anlageteile, 1950 übernimmt das wieder reparierte Fördergerüst die zentrale Materialversorgung. Und die Seilfahrt für die Abbaubetriebe, die sonst nur bei Mevissen I in Bergheim möglich ist. Seilfahrt? Das ist die Ein- und Ausfahrt der Bergleute in einem Schacht im an einem Seil hängenden Förderkorb. Ein weiterer Wetterschacht, der den in Rumeln ablösen soll, entsteht 1959 bis 1960 in Kaldenhausen an der Traarer Straße (Durchmesser 255 cm, Teufe 260 Meter). Die Kohle zutage gefördert wurde ausschließlich in Bergheim. Am 29. Juni 1973, ein im wahrsten Sinne des Wortes schwarzer Freitag, ist für Mevissen Schicht im Schacht, also auch für Rumeln.

Was erinnert heute noch an den Bergbau in Rumeln-Kaldenhausen, an die Arbeit der Mevissen/Fritz-Kumpel, die unter schwierigen und gefährlichen Verhältnissen dafür sorgten, dass zwischen 1914 und 1973 exakt 33.669.145 Tonnen schwarzes Gold in Bergheim das Licht des Tages erblickten? Da gibt es neben den vier Straßennamen gerade einmal die beiden Schachtdeckel, die kaum einer sieht – und sonst nichts. Bislang!

Ein kleiner Exkurs zu den Namen! Nach fündig gewordenen Probebohrungen 1855 wurde 1857 vom preußischen Handelsministerium „das Grubenfeld Diergardt in der Bauernschaft Rheinhausen mit der Feldesgröße von 31.979.898 m² verliehen“ - Freiherr Friedrich Heinrich von Diergardt wurde der Besitzer. Verleihung, was ist das? Bei der Verleihung wird dem Finder der Lagerstätte das Bergwerkseigentum übertragen. 1874 wurde das verliehene Feld durch reale Teilung in drei selbstständige Einzelfelder aufgeteilt. Es waren „Diergardt“ in Rheinhausen-Asterlagen (10.695.979 m², Besitzer nach wie vor Diergardt, Beginn 1911), „Wilhelmine Mevissen“ in Bergheim-Oestrum (10.695.983 m², benannt nach Wilhelmine, der kurz zuvor verstorbenen Ehefrau von Neu-Eigentümer Franz Wilhelm Königs und Mevissen, Beginn 1914) und „Fritz“ in Rumeln (10.695.936 m², erworben von Alfred Krupp, Beginn 1937). Namenspatron der Rumelner Zeche war Kaiser Friedrich III. mit dessen volkstümlicher Titulierung „Fritz“. Und noch eine Zahl: Die Gruppe Diergardt-Mevissen/Fritz schaffte zwischen 1910 und 1973 insgesamt 64.227.322 Tonnen zutage.

Zu den Karten (zum Vergrößern bitte anklicken):
1 – Diese Darstellung beschreibt den Duisburger Westen um 1880. Während vis-a-vis die Schwerindustrie schon reichlich vertreten ist, gibt es linksrheinisch Krupp noch nicht. Hier befinden sich kleine Dorfstrukturen. Drei Fähren verbinden mit Wanheim, Duisburg und Neuenkamp, etwas Eiaenbahn durchkreuzen die ländliche Idylle.
2 – Auf dieser Karte wird noch einmal deutlich, dass der nunmehr geteilte Besitz von Freiherr Friedrich Heinrich von Diergardt in genau drei gleich große Grubenfelder (Diergardt, Wilhemine Mevissen, Fritz) aufgeteilt ist. Westlich von Feld Fritz schließen sich die Felder Tellus 1 und Heinrich Schlattmann an.
3 – Dieser „Verleihungsriss der Steinkohlen Muthung Tellus Nr. 1“, gefertigt von Markscheider Achepohl im April 1875, wurde dem Königlichen Oberbergamt zu Bonn vorgelegt und im Mai 1875 genehmigt. Hier in Kaldenhausen, westlich der Zeche Fritz gelegen, wird 1959/60 ein weiterer Wetterschacht für das Grubenfeld Rumeln gebaut.


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